|
Ein Mann, viele Interessen. So beschreibt
Thorsten Krüger sich selbst.
Und diese Beschreibung ist glaubhaft, beobachtet
man den gelernten Elektriker, studierten Elektrotechniker, praktizierenden EDV-
und Netzwerk-Dozenten und engagierten Vater.
Was der Bandbreite seiner Interessen sehr
entgegen kommt, ist sein akutes Suchtverhalten in puncto World Wide Web (WWW).
Wann immer sich die Gelegenheit bietet, hängt Krüger im Netz.
Chronisch durchforstet er virtuelle Welten nach verwertbaren Informationen und
wird dabei nur allzu oft fündig. "Ich surfe nicht, ich sauge", bekennt der
34-Jährige. Er kann es "einfach nicht ignorieren, stets einen derart
riesigen Wissenspool zur Verfügung zu haben". Deshalb präsentiert er
auch gerne seine eigenen Machwerke im WWW und erläutert sogleich das
Warum, Wieso, Weshalb seiner Vorgehensweisen. Erklären kann er, das
weiß Krüger selbst, und dass wird auch jedem Gesprächspartner
sogleich klar. Was sofort überspringt, ist dieser Funke Begeisterung, mit
dem er an jede seiner - oft selbst gestellten - Aufgaben geht. Trotzdem ist der
gebürtige Bochumer ein kritischer Zeitgenosse. Nicht immer genießt
er das Surfen im Netz des großen Gebrabbels. Manchmal stören ihn die
vielen kleinen und oft unzuverlässigen Informationshappen, die rechts und
links von allem liegen. Das WWW ist eine Gratwanderung zwischen Allgemeinem und
Speziellem.
Als Experten sieht Krüger sich daher
nicht: "Wer sich als Internet-Experte bezeichnet, hat noch nicht einmal das
Medium begriffen, von dem er da redet." Kurzzeitig verdüstert sich sein
wacher, direkter Blick. "Das WWW hat mein Leseverhalten negativ beeinflusst",
gibt er zu. "Ich lese alles nur noch hypertextuell." So kann ein Buch zur
Disziplinübung werden. "Um ein Buch von vorne bis hinten zu lesen, muss
ich mich regelrecht zwingen." Er lacht beim Seitenblick auf seine
Bücherwände und fügt hinzu: "Die meisten davon sind
Handbücher. Da muss man nur die entsprechenden Kapitel lesen..."
Dennoch schätzt Krüger gute Prosa,
weil sie ihm zeigt, wie andere Menschen die Welt sehen. Warum sonst sollte man
schließlich überhaupt etwas wissen wollen...?! Krüger
jedenfalls sucht immer nach Erklärungen. Auch und vor allem nach
philosophischen. Wenn auch die akademische Philosophie nicht das ist, was ihn
interessiert.
Das nimmt Wunder, denn bei der Betrachtung
seines Schreibtisches und dessen direkter Umgebung liegt die Chaostheorie sehr
nahe. Ordnung ist nicht sein Ding. Doch nur selten ärgert er sich selbst
über die Papierberge, Bücherstapel und Kram-Ecken. Und das wirklich
nur dann, wenn er etwas vermeintlich Wichtiges sucht, wie zum Beispiel die
Unterlagen für seine Steuerklärung. "Eine entsetzlich lästige
Pflicht", schimpft er grinsend, obwohl ihm doch sonst Zahlen und Logik quasi im
Blut liegen. Nur eben nicht das Sortieren, es sei denn, es handelt sich um Bits
und Bytes.
Als typisch "männlich" sieht der
unverheiratete Familienvater sich nicht. Nicht etwa, weil er wüsste, was
das ist, sondern weil er genau beobachtet. Nichts entgeht seiner Wahrnehmung,
schon gar nicht sogenannte Männerrituale. Stammtische, Skatrunden und
Fußballstadien sind nicht seine Welt.
Sport? Das ist für Krüger
"Mind-Jogging". Und das kann man praktischer Weise immer und überall
betreiben, ohne Geld dafür auszugeben oder seine Gesundheit aufs Spiel zu
setzen. Seine Gesundheit ruiniert Krüger trotzdem gerne, jedoch
anderweitig, arbeitend am heimischen Schreibtisch, wo er sich genussvoll mit
Nikotinwolken umgibt.
Wenn er gerade nicht doziert oder tüftelt
oder mit Sohnemann Leander durch die grüne Umgebung von Dresden zieht,
stöbert Krüger allzu gerne auf Flohmärkten oder in
Gebrauchwaren-Läden herum. "Meine Möbel sind vom Flohmarkt oder vom
Sperrmüll", erklärt er und Werkzeuge, deren Benennung nur Experten
vorbehalten ist, deuten darauf hin, dass er auch häufiger selbst etwas
baut. Ganz offensichtlich zumindest rund einen Kilometer Bücherregal, der
jedoch nicht mehr ausreicht, um all die Handbücher und
Flohmarkt-Errungenschaften zu beherbergen.
Nachschlagewerke aller Themengebiete und Epochen
haben es ihm angetan. Dazu dürfen dann auch ruhig ein paar Kochbücher
oder alte Schulbücher gehören. Denn Krüger will gewappnet sein
für die Fragen seines Sohnes. "Vierjährige wollen nun mal wissen, wie
der Haifisch pullert oder wann der Mond schläft", sagt er
lächelnd.
Unsinnige Fragen gibt es für den
Technik-Experten nicht. Auch nicht in seinen Seminaren. Er ist nicht leicht aus
der Ruhe zu bringen, "eigentlich erst, wenn jemand zum fünften Mal
dasselbe fragt und ich genau weiß, dass er nicht richtig zugehört
hat", sagt er. Oder, wenn er auf Menschen trifft, die gar nichts wissen wollen,
die "Dummheit zum Prinzip erhoben haben". Dann so Krüger, würde
selbst er schon mal laut. Und das Blitzen in seinen Augen verrät, dass man
es auf manche Differenzen besser nicht ankommen lassen sollte... "
Ungerechtigkeiten und Gewalt bringen mich
wirklich auf die Palme!", spricht´s und schüttelt mit unwirschem
Gesichtsausdruck die ein oder andere Erinnerung ab. Mit seinem Leben scheint
Krüger jedenfalls recht zufrieden zu sein, zumindest, solange alles in
stetiger Bewegung ist, besonders im Kopf.
"Ich hüpfe natürlich zwischen einer
Vielzahl von Themen", erklärt er in dem festen Bewusstsein, dass es anders
gar nicht geht. Man könne zwar nicht alles wissen, aber das sei noch lange
kein Grund, es nicht wenigstens zu versuchen.
Und da ist sie, die Sekunde leichter Irritation.
Denn ein bisschen muss man Krüger schon kennen, will man seinen Humor
verstehen. Er ist kein Mensch, der sich bei Witzen brüllend auf die
Schenkel klopft. Er ist ein Mensch der leisen Ironie, die in der Regel ihn
selbst betrifft.
"Wie käme ich dazu, anderen Menschen zu
nahe zu treten? - Ich frage lieber vorher nach." |
|